Neuland?!? Was hilft zu navigieren? (Grundsätzliche Überlegungen Teil 2/4)

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Was genau ist die avisierte Zielgruppe?


Die Zielgruppe umfasst alle Menschen, schlichtweg, weil das Evangelium allen Menschen gilt (wieder Mt 28,18ff.)
Grundsätzlich, jedoch waren bei der Entwicklung zuerst primär kirchenferne Jugendliche bis junge Erwachsene erste Zielgruppe. Ziel war und ist es über ein Ihnen bekanntes Format (Pen & Paper Rollenspiel als letsplay), sowie eine moderne Liturgie, evtl. vorhandene Fremdheitsgefühle gegenüber einem agendarischen Gottesdienst zu minimieren und gleichzeitig durch Nutzung eines für die Personengruppe alltäglichen Mediums (Internet: Twitch.tv, YouTube) die Einstiegsschwelle gering zu halten. Die digitale Form des Gottesdienstes ermöglich dabei auch als erstes eine schamfreie Teilnahme am Gottesdienst, d.h. hier, zu einem mit reduzierten Fremdheitsgefühlen, jedoch ebenso ohne als „fremd“, z.B. durch Unsicherheit im erwarteten Verhalten im Rahmen des Gottesdienstes, erkannt zu werden. Es soll ein sicherer Rahmen geschaffen werden, der zur Beschäftigung mit dem Evangelium einlädt. Diese Einladung gilt kirchennahen Menschen ebenso wie kirchenfernen Menschen, auch in dem Bewusstsein, dass beide Gruppen in sich je nicht homegen, sondern fast unendlich weit weiter zu differenzieren sind.
Es stellte sich bei der ersten Durchführung darüber hinaus heraus, dass diese Form des Gottesdienstes auch durchaus in einigen Elemente ein großes inklusives Potenzial aufweist, bzw. die Chance inkludierenden Charakter zu entwickeln.


Warum wird der Gottesdienst Live „ins Internet gebracht“?


Wirft man einen Blick auf die fünfte Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung zum Thema Gottesdienste (VKMU) fällt auf, dass „Gottesdienst als Symbol des kirchlichen Lebens und der Gottesdienstbesuch als zentraler Indikator für Kirchlichkeit“ (V.KMU, S.53) verstanden werden. Diese Lebensäußerung soll auch Raum in der, vielen von uns als neu empfundenen,Welt der digitalen Medien finden.


Warum kein „einfacher“ Fernsehgottesdienst?


Die neue, noch weitgehend experimentelle Form knüpft an die Beobachtung an, dass „Familiengottesdienste von Angehörigen mehrerer Altersgruppen in recht hohem Maße besucht werden. Die bis 29 Jahre alten Befragten geben zu 62 % an, Familiengottesdienste zu besuchen, die 30- bis 44-Jährigen zu 57 % und die 45- bis 59-Jährigen noch zu 53 %“(VKMU, S.56). Geht man von der Beobachtung aus, dass in Familiengottesdiensten oft ein anderer Ablauf (eine andere Liturgie) zum Tragen kommt, häufig gestützt durch eine andere Form der Verkündigung (z.B. Anspiel als Ergänzung oder Ersatz zur Predigt), durch eine andere Liedauswahl, welche den Hörgewohnheiten vieler der im Gottesdienst Anwesenden vermutlich aus ihrem Alltag vertrauter ist, als manches aus der Zeit der letzten Jahrhunderte stammende Lied des EG, liegt der Schluss nahe, dass auch die Form Einfluss darauf haben kann, wie und von welchen Personengruppen ein Gottesdienst besucht wird, und damit auch, wie Kirche und Evangelium durch diesen Gottesdienst erfahren werden. Gleichzeitig eröffnet das Medium Internet die Möglichkeit, neue Konzepte der Interaktivität zu erforschen und zu erproben. Die Umsetzung wird dabei jedoch nur in Schritten erfolgen und nach jedem Schritt die Schrittrichtung noch einmal evaluiert werden sollen.
Die erste Form des Gottesdienstes beschränkte die interaktiven, bzw. spontanen Elemente auf die Spieler/innen. In der nächsten Stufe ist eine Ausweitung der Interaktivität geplant, unter Berücksichtigung der in diesem ersten Gottesdienst gesammelten Erfahrungen.

kurze Vorschau auf die nächsten Beiträge

Ist das grundlegende Problem nicht weniger die Präsenz der Kirche in den neuen Medien als vielmehr die mangelnde Relevanz des Evangeliums im Leben der Menschen?
Geht es bei diesen neuen Gottesdienstformen nicht eher um die Begeisterung für die Technik, bzw. die Form, als um die eigentlichen Inhalte?


Rechtfertigt der Aufwand das Ergebnis?

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