Was kommt noch danach?

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Liebe Gemeinde,
es ist spät, das Glockengeläut ist verklungen und ebenso hoffentlich auch die Aufregung und gewiss auch der Stress der letzten Tage. Weihnachten, dass ist, wenn wir einmal ehrlich sind, nicht immer nur das Fest der Liebe, oft spielen Stress und Hektik ebenfalls ganz vorne mit. (Pause)
Ist der Baum geschmückt? Ist das Weihnachtsessen gekocht?
Habe ich wirklich an alle Menschen gedacht?
Das bohrende Gefühl doch etwas vergessen, oder noch vielschlimmer jemanden, vergessen zu haben bleibt.
Wir sahen eben in dem Anspiel einen Menschen, der auf der Suche nach dem wahren Weihnachten war. In der dunkelsten Jahreszeit feiern wir Christen ein Fest des Lichts, die Geburt unseres Heilandes. Jesus Christus von Gott geschenkt, als Licht für die Welt. Geschenk als Licht für uns.
Dabei ist Weihnachten in der Form wie wir es kennen ein recht neues Fest. Es war Martin Luther, der 1535 den bis dahin üblichen Brauch, die Kinder zu Nikolaus zu beschenken, auf Weihnachten verlegte. Die Geschenke sind seitdem keine Belohnung mehr für braves Verhalten. Im Gegensatz zum Nikolaus mit Knecht Ruprecht bringt das „Christkind“ sie gratis. Geschenkt, ohne dafür vorher etwas geleistet, getan oder gelassen zu haben – das Bild dahinter passt zu Martin Luthers Erkenntnis:
Das größte Geschenk, das Gott den Menschen mit seinem Sohn gemacht hat, gibt es nur durch den Glauben, nicht durch rechtes tun. Es kann nicht erarbeitet oder verdient werden.
Es kann nur wie ein Geschenk angenommen werden.

Das wahre Licht, wie es unsere Väter und Mütter im Glauben nannten, kommt zu uns. Darauf können wir vertrauen. Es tut dies allein weil wir glauben, weil wir darauf vertrauen.
Durch die wundersame Geburt bricht Licht mitten in die dunkle Nacht. Es ist Hoffnung, auch am dunkelsten Ort. Es ist Hoffnung auch dort, wo alles verloren scheint, aber ein Fünkchen Hoffnung sich bereits in der Welt etabliert. Seit 60 Jahren sind die Israeliten im Exil, wieder einmal hatte ein Krieg vieles zerstört, sogar der Berg Zion ist mit Trümmern überzogen. Wo früher prachtvolle Gebäude standen, ein Tempel, indem sogar Gott selbst wohnte, sind zu dieser Zeit nur noch Trümmer. Aber es gibt auch Hoffnung. Der Krieg ist vorbei.
Es gibt Hoffnung auf Frieden. Für die Menschen die verschleppt wurden ist es Hoffnung auf Rückkehr in die Heimat. Ein Wiederaufbau, ein Neuanfang steht an. In die spannungsvolle Hoffnung spricht der HERR durch, durch den Propheten Sacharja, Kapitel 2, Verse 14-17:
14 Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.
15 Und es sollen zu der Zeit viele Völker sich zum Herrn wenden und sollen mein Volk sein, und ich will bei dir wohnen. – Und du sollst erkennen, dass mich der Herr Zebaoth zu dir gesandt hat. –
16 Und der Herr wird Juda in Besitz nehmen als sein Erbteil in dem heiligen Lande und wird Jerusalem wieder erwählen.
17 Alles Fleisch sei stille vor dem Herrn; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte!
Dieser Text erzählt von einem Bund des Friedens, den Gott mit den Menschen schließt, von Rettung und Sicherheit. Denn das Kind ist in der Krippe, von dem wir in der Lesung hörten, Immanuel, das heißt Gott-mit-uns. Er ist Jesus, der rettet. Die Nacht seiner Geburt erinnert an das tiefe Geheimnis Gottes:
In Jesus Christus wohnt Gott selbst unter den Menschen. Wer dies erfahren hat, kann nicht anders als zu jubeln und von Gottes heilsamer Gnade zu erzählen.
Das zu bedenken, ist Weihnachten nicht immer leicht.
Die Gefahr ist groß im großen Suchen nach Geschenken, im Versuch alles richtig zu machen, genau das entscheidende zu übersehen, das Geschenk, dass Gott Mensch wurde. Dass er bei uns ist, alle Zeit.
Wer dies begriffen hat, wartet auf und baut mit allen Christinnen und Christen der Welt am Reich Gottes.
Fiebert mit auf den Tag, da es stille wird.
An dem es heißt
Alle Waffen schweigen nun, denn es ist da das Reich Gottes.
Ruhe und Frieden kehren nun auf Erden ein, und er selbst macht alles neu.
Er heilt die Verletzten, er findet die Verlorenen und es wird Friede sein und er selbst wird wieder mitten unter uns sein.
So dunkel es auch sein mag, es geschieht bereit, der Friede Gottes ist unterwegs. Er ist mitten unter uns, sein Reich ist im Werden.
Alles Fleisch sei stille vor dem Herrn; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte!
Frohe Weihnachten
Lasst uns zur Bekräftigung des Gehörten das nächste Lied singen: Seht die gute Zeit ist nah