Predigt 8.Trinitatis

  • von

Kanzelgruß

Gnade sei mit Euch und Friede vom dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

Liebe Gemeinde,

gestern war der Gedenktag an die Zerstörung der Stadt Jerusalem und ihres Tempels 586 vor unserer Zeitrechnung.

Viele Menschen verloren damals ihre Heimat, mussten von nun an in Babylon leben.
Sie verloren aber ebenso ihr geistiges Zentrum – den Tempel in Jerusalem auf dem Berg Zion.
Sie waren in mehrfacher Hinsicht entwurzelt.

Die wenigen Menschen die im Land bleiben durften lebten in den Trümmern des zerstörten Jerusalems, konnten Gottesdienst nur in den Trümmern des ehemalig prächtigen Tempels feiern.

Hatten das Bild der Zerstörung ständig vor Augen.
Vor einiger Zeit hatten sie noch Hoffnung.
Die Stadt und der Tempel, waren trotz vieler Unruhen bisher immer verschont blieben.
Nun liegen sie ebenfalls in Trümmern, ebenso wie das Umland.
Mit einmal ist alles alles.

Eine trostlose Situation.

Mehr als 150 Jahre davor schrieb Jesaja unseren heutigen Predigttext.

„Dies ist das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, schaute über Juda und Jerusalem.

Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des Herrn Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,

und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem.

Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des Herrn!“

Der Tempel ist zerstört, ist damit die Friedensvision von einer friedlichen Wallfahrt aller Völker zum Zion hinfällig?

„„Dies ist das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, schaute über Juda und Jerusalem.

Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des Herrn Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,

und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem.“

3 Monate nach der Eroberung und vorerst noch nicht Zerstörung der Stadt brennt der Tempel, und auch die Stadt Jerusalem wird angezündet. Ihre Mauern werden niedergerissen.

3 Monate wird der König, der den Aufstand angezettelt hat verhört. Danach werden Stadt und Tempel zerstört.
Was mag da wohl passiert sein?

Wir wissen es heute nicht, können es jedoch, betrachtet man ähnliche Fälle, erahnen.


Bei den Verhören mag sich wohl gezeigt haben, dass die Unruhe in und um Juda immer wieder von der Stadt und dem Tempel auf dem Zionsberg ausgehen.
Dass sich seit der wunderbaren Bewahrung von Stadt und Tempel eine ganze Theologie um den Tempel gebildet hat, die, vereinfacht gesagt davon ausgeht, dass Gott seinen Tempel und seine Stadt immer schützen werde, egal was passiert.

In der Kriegslogik ist für so etwas jedoch kein Platz:
Es gibt einen Unruheherd, der muss eliminiert werden.
Friede ist, wenn alle Feinde besiegt sind.
Der immer wieder aufkeimenden Unruhen in Juda und Jerusalem sollen ein für alle Male elemeniert werden.
Es soll nicht wieder nötig werden, dass dafür Soldaten ins Feld ziehen und getötet werden.
Stadt und Tempel, als Haus Gottes, werden also angezündet.

Die Kriegslogik schlägt zu und zerstört.

Es vergehen einige Jahrzehnte, auch das große Reich Babylon vergeht und der Tempel, sowie die Stadt werden erneut aufgebaut, und leider auch später wieder zerstört.

Aber was hat das mit unserem Leben heute zu tun?

Ich fürchte eine ganze Menge und das zeigt sich auch darin, dass es letzte Woche noch einen weiteren Gedenktag gab, dessen Auslöser noch nicht so weit zurückliegt.

Am vergangenen Dienstag, den 6.8. erinnerten Zeitungen und Nachrichten an den Abwurf der Atombombe vor 74 Jahren auf Hiroshima.

Am 6.8.1945 um 8:15 Ortszeit explodierte die Bombe über der Stadt, in Folge dessen starben bis heute ca. 240.000 Menschen1.

Eine lange Diskussion gab es darum in der amerikanischen Regierung, und gibt es bis heute unter Historikern.

Ist der Abwurf der Bombe notwendig?

Rettet der Abwurf der Bombe sogar Menschenleben?

Das ist Kriegslogik.

Diese Form der Logik erschließt sich uns hier nicht unbedingt sofort.

Wie kann man Leben retten, indem man eine Atombombe auf eine bewohnte Stadt abwirft?

Militärisch, strategisch, oder im Rahmen der Kriegskunst gedacht, ist dies möglich.

Es gibt hier nur zwei Möglichkeiten:

Setzt man den Krieg wie bisher fort, wird es auf beiden Seiten sehr hohe viele Tote geben.

Es standen hier Zahlen im Raum, zwischen 1,5 Millionen Toten und 20 Millionen Toten im Raum.
Bei dem Abwurf der Atombombe hingegen rechnete die amerikanische Regierung, die obendrein auch noch nicht die eigenen Soldaten waren, wie dies bei einer Fortsetzung des Krieges wie es bisher verlief der Fall gewesen wäre.

Es ist eine Logik des Schreckens, die nur noch abwägt, wo mehr oder weniger Schrecken liegen könnte, und wo mich oder mein Land der Schrecken der entsteht weniger betrifft.
Das ganze Denken hierbei kreist nur um Schrecken. Hoffnung und Nächstenliebe finden in diesem denken kleinen Platz.

In die Logik fällt auch das sogenannte „Gleichgewicht des Schreckens“.

Die wechselseitige Androhung des Atomkrieges beschwor erstmals die mögliche Selbstauslöschung der Menschheit („Overkill“) herauf. Gleichzeitig war der Gedanke: Greifst Du mich und zerstörst mich, reiße ich dich noch mit in den Abgrund, etwas das wohl zumindest dazu beitrug das Schlimmste zu verhindern.

Dennoch leben wir weiterhin mit dieser nuklearen Bedrohung, besonders in Krisenzeiten.

Was wird eine Regierung tun, die einen Krieg als verloren ansieht, und sich keinen anderen Ausweg mehr weiß, als Atombomben einzusetzen?

Der 6.8. mahnt uns alle, die Schrecken des Krieges, niemals zu vergessen.
Erst recht in unserer heutigen Zeit gilt, was Einstein einst sagte:

„Im Atomzeitalter muss die Menschheit den Krieg abschaffen. Es ist eine Frage von Leben und Tod.“

Genau in die Erkenntnis, das Krieg unerträglich war, ist und sein wird, spricht auch der Prophet Jesaja hinein.
Genau in die Situation spricht er das Wort Gottes als Wort der Hoffnung.
Jesaja malt hier kein Bild der Schrecken des Krieges.
Er malt ein Bild der Hoffnung.

Besonders wertvoll ist diese Vision vom umfassenden Friedens, die der Prophet Jesaja, uns in dem heutigen Predigttext vor Augen malt.

„Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln“.

„Schwerter zu Pflugscharen“ – einige von ihnen erinnern sich bestimmt noch gut an die Aufnäher, die in der Friedensbewegung der 80er Jahre verbreitet waren:

In schwarzen Lettern umrahmte der Spruch eine Figur, die mit ganzer Kraft ein Schwert in einen Pflug umschmiedet.

Keine Waffen – kein Krieg, die Logik ist einfach und wirkte auf mich überzeugend.

Es ist fast wie der Spruch von Karl Sandburg: „Stell Dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin“.

Doch irgendwie hat es mit der Umsetzung da bisher immer etwas gehapert.


Der Aufruf zu Friedfertigkeit und Abrüstung. „Frieden schaffen ohne Waffen“ scheint nur viel zu oft ungehört verhallt zu sein.

Aber, wäre es nicht auch zu einfach zu meinen, die Waffen seien unser eigentliches Problem?


Das Umschmieden der Waffen ist nicht der Auslöser des Friedens der zu diesen Zeiten herrschen soll. Es scheint vielmehr eine Folge des Friedens zu sein.
Weil die Menschen keine Waffen mehr brauchen, werden diese Waffen in etwas umgeschmiedet, dass sie brauchen. Pflüge, Sicheln, landwirtschaftliche Geräte.
Aus Schwertern mit denen Blut vergossen wurde werden Pflüge, aus Spieße, mit denen Menschen getötet wurden, werden Sicheln, mit denen geerntet wird.
Kurz: Aus etwas, dass dazu gebaut war den Menschen zu vernichten, wird etwas das dem menschlichen Leben zuträglich ist.

„Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ – „Nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“

Das war für mich damals beim ersten Lesen die schönste Erkenntnis aus diesem Textes.

Krieg ist etwas das man lernen muss. Es ist dem Menschen nicht zu eigen, wie die Fähigkeit zu lieben, oder zu vergeben, wütend oder enttäuscht zu sein. Kriegsführung hat eine ganz eigene Logik.

Es ist die Logik der Zerstörung. Es ist eine Logik, in der der Zweck die Mittel heiligt.

Es ist die Logik, die Gottes Wohnstätte auf Erden zerstörte, und die Atombombenabwürfe rechtfertigen versucht.

„Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des Herrn Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,

und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem.

Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker.

Es ist Gott, der uns lehrt, durch seinen Heiligen Geist, durch seine Schrift.

Wir als Christen sind dazu aufgerufen Lichter in dieser Welt zu sein. Dies tun wir,

wenn wir Zeichen für Gottes Liebe setzen, indem wir zeigen, dass ein Umdenken möglich ist

wenn wir seinen Frieden, und sein Reich den Menschen ankündigen.

„Kommt nun[, ihr vom Hause Jakob,] lasst uns wandeln im Licht des Herrn!“

Kanzelsegen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Lied nach der Predigt 426, 1-3 „Er wird sein in den letzten Tagen“

1http://www.kleiner-kalender.de/event/hiroshima-gedenktag/91022.html.

Schlagwörter: