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Predigt 4.Sonntag nach Trinitatis 2026 (Winterberg)

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Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Liebe Gemeinde,

schon mit dem Wochenspruch hatten wir heute einen schweren Einstieg. „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Ja, das ist schwer. Vor allem bei dieser Hitze, Lasten tragen – und dann noch die anderer Menschen. Das muss doch nun wirklich nicht sein, oder?

Aber mal im Ernst, trägt man Dinge gemeinsam, wird es meist leichter und besser und manchmal macht es sogar noch Spaß.

Unser Predigttext heute geht aber noch einen Schritt weiter. Nehmt Abstand von der Rache, tut den Menschen, die euch verletzt haben, die euch beleidigt haben, die euch Übel nachreden, Gutes stattdessen.

Das klingt fast weltfremd. Als hätte Paulus keine Ahnung davon, wie Menschen miteinander umgehen. Als wüsste er nicht, dass man sich manchmal wehren muss, dass man ungerecht behandelt wird, dass andere einem Schaden zufügen. Das würde ja immer so weitergehen, wenn man dem nicht Einhalt gebietet.

Vor kurzem habe ich eine Serie entdeckt, die mich fasziniert. In „Die Ringe der Macht“, quasi der Vorgeschichte zu Herr der Ringe, sucht die Elbin Galadriel nach Sauron, dem großen Feind, die Personifikation des Bösen. Dem Wesen, dass für den Tod ihres Bruders verantwortlich ist. Obwohl viele glauben, er sei besiegt, ist sie überzeugt, dass er noch lebt. Die Rache bestimmt ihr Denken und Handeln. Sie jagt Sauron verbissen, misstraut anderen und verliert dabei immer mehr den Blick für das, was wirklich wichtig ist. Ihre Gefährten werfen ihr vor, dass es ihnen immer schwerer falle, sie selbst von dem Bösen zu unterscheiden, das sie jagt. Letztendlich gelingt es damit Sauron Galadriel so zu täuschen, dass sie ihn bei seiner Rückkehr zur Macht unfreiwillig unterstützt.

Das bringt es, finde ich, sehr schön auf den Punkt, was passiert, wenn wir immer Gleiches mit Gleichem vergelten. Man tut dabei oft genau, meist ähnlich, was einen selbst angetan wurde, was einen selbst verletzt hat.

Das Böse wird so nicht besiegt, es wird potenziert.

Es bleibt weiter in der Welt, und die nächste Reaktion darauf wird auch nichts Gutes sein. Meist eskaliert es eher weiter.

So erleben wir es derzeit in der großen Weltpolitik.

Der Krieg im Iran ist ein gutes Beispiel, ein Regime, das 10.000 Menschen getötet hatte, Terror und Öl exportiert, um damit weiteren Terror als Exportprodukt zu finanzieren, dessen erklärtes Ziel die Auslöschung ganzer Bevölkerungsgruppen und Staaten ist. Es ist immer noch da, viele Bomben und Raketen später hat sich wenig geändert. Es sind neue Köpfe im Iran, aber es ist im Grunde das gleiche menschenverachtende Regime, wie vorher. Reine Gewalt wird hier keine Lösung des Konfliktes bringen, reine Gewalt wird den Menschen im Iran nicht weiterhelfen.

Habt anderen Menschen gegenüber nur Gutes im Sinn.
Lebt mit allen Menschen in Frieden –soweit das möglich ist und es an euch liegt.

Das ist schwierig, besonders mit den Verstrickungen, in denen wir leben. Ohne Öl geht es nicht, ohne Moral kommen wir aber auch nicht weiter. Wenn wir uns genauso verhalten, wie es das Regime erwartet, nur auf unseren Vorteil, nur auf unsere Wirtschaft bedacht, verlieren wir Glaubwürdigkeit und viele Menschen im Iran ihre weiterhin ihre Freiheit, und ein großer Teil vermutlich auch sein oder ihr Leben.

Habt anderen Menschen gegenüber nur Gutes im Sinn.
Lebt mit allen Menschen in Frieden –soweit das möglich ist und es an euch liegt.

Das ist mehr als schwer in solchen Fällen. Egal, was man tut, wie man sich verhält, es gibt keinen einfachen Weg aus dem Hass, aus der Spirale der Gewalt heraus.

Der Grat ist schmal, der sich auftut. Wie schaffe ich es einzudämmen, ohne nicht mehr von dem unterscheidbar zu sein, was ich eindämmen will? Wie gebe ich durch meine Handlungen dem Bösen nicht wieder neue Macht, über mich.

Oder, um zu unserem Filmbeispiel zurückzukehren: Wie bekämpfe ich das Böse, ohne von ihm ununterscheidbar zu werden?

Das könnte heißen im Falle des Irans, nicht nachgeben, sich nicht erpressen lassen, und nicht zu versuchen das Regime durch Bomben und Gewalt zu erpressen, so wie das Regime versucht uns zu erpressen. Nicht tatenlos zusehen, wie weiterhin tausende unterdrückt und ermordet werden.

Aber was heißt es in meinem Alltag?

Es gibt dazu ein, wie ich finde, sehr schönes irisches Sprichwort, das dem irischen Schriftsteller Charles Reade zugeordnet wird: „Gedanken formen unsere Worte, diese werden zu Taten, Gewohnheiten und schließlich zu unserem Charakter und Schicksal.“

In dem Moment, in dem ich nur noch zurückzahlen will, was ich bekommen habe, indem ich überlege, wie ich das am besten tun könnten, beginnt das Böse mein Handeln zu bestimmen. Dann gewinnt es am Ende Macht auch über mich, und ich verliere mich gegen das Böse.

Paulus ruft daher dazu auf, die Rache abzugeben.

Nehmt nicht selbst Rache, meine Lieben.
Überlasst das vielmehr dem gerechten Zorn Gottes.
In der Heiligen Schrift steht ja: »›Die Rache ist meine Sache, ich werde Vergeltung üben‹, spricht der Herr.«

Paulus schreibt diese Worte nicht aus einem bequemen Sessel. Er weiß, wovon er spricht. Er kennt Streit. Er kennt Ablehnung. Er kennt Verfolgung. Er ist beschimpft, geschlagen und ins Gefängnis geworfen worden. Er weiß, wie es sich anfühlt, wenn einem Unrecht geschieht. Und vielleicht gerade deshalb schreibt er: „Vergeltet niemand Böses mit Bösem.“

Stattdessen: durchbrecht den Kreislauf der Gewalt!

Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!

Paulus gibt dazu auch konkrete Anleitungen.

»Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen. Wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, häufst du glühende Kohlen auf seinen Kopf.«

Wobei, das gebe ich zu, besonders bei diesem Wetter, es nicht sonderlich freundlich klingt, glühende Kohlen auf das Haupt mein Gegenübers zu sammeln. Es werden wohl Gewissensbisse sein.

Wenn ich den Kreislauf aus Neid, Hass und Gewalt durchbreche, wenn ich den ersten Schritt tue und nicht immer so weiter mache, wie bisher, dann holt das auch mein Gegenüber mit aus dem Kreislauf aus Verletzung und Gegenverletzung. Dann kann er sich auch fragen: Kann ich noch weitermachen, wie bisher? Und hoffentlich ist die Antwort dann: Nein.

Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!

Kann so die Hilfe sein, aus verfahrenen Situationen und Konflikten wieder herauszukommen?

Indem ich alte Muster durchbreche und durch etwas Neues ersetze. Indem ich die Angst durchbreche unterzugehen, wenn ich nachgebe, indem ich in Gedanken und Handlungen der Rache, dem Bösen, keine Macht über mich gebe, egal wie sehr sie sich unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit verbirgt, gewinne ich Freiheit. Vielleicht wird es uns nicht gelingen, jeden Konflikt zu lösen. Vielleicht wird nicht jede ausgestreckte Hand ergriffen. Vielleicht bleibt manche Wunde dabei auch offen.

Wir können heute damit anfangen, dass das Rechthaben, dass die Rache, nicht das letzte Wort behält. Wir können anfangen zuzuhören, statt vorschnell zu urteilen.
Wir können den ersten Schritt wagen, statt darauf zu warten, dass ein anderer ihn macht.

Denn Frieden beginnt selten auf den großen Bühnen der Welt. Er beginnt dort, wo Menschen sich auf Christus einlassen, sich von Christus verändern lassen.

Dann kann dort, wo zwei Menschen wieder miteinander reden, reden und zuhören, ein kleines Stück von Gottes Reich sichtbar werden.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus.

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